Tom Esser M.Sc.
Osteopath D.O. M.R.O.
und Heilpraktiker
Britischer Osteopath GOC
Mitglied von VOD/AAO/GOC

Publikationen

Craniosacrale Therapie als Teil der Osteopathie

erschienen im "Handbuch für ganzheitliche Therapie und Lebenshilfe", März 1999

 

Die Osteopathie und Craniosacrale Therapie hat sich seit Anfang 1900 über die angloamerikanischen Länder verbreitet und erfährt seit kurzem bei Fachleuten und Patienten steigende Anerkennung.

Der Ursprung und die Grundlage der Osteopathie und der Craniosacralen Therapie liegen in der Forschungsarbeit von dem amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still. Er erkannte die Interaktion zwischen der reibungslosen Funktion des Bewegungsapparates und der Gesundheit des Menschen. Ins Zentrum der osteopathischen Philosophie stellte er das Bemühen des Osteopathen, erfolgreich ohne Medikamente und Chirurgie zu behandeln.

Der Begriff Osteopathie ist vielleicht etwas irreführend und heißt übersetzt Knochenleiden, er wird auch gerne mit der Orthopädie oder Chiropraktik verwechselt. Die Behandlung beginnt mit dem Stützgerüst des menschlichen Körpers, nämlich dem Knochengelenksystem und daher auch der Name Osteopathie. Osteopathie ist eine sanfte, manualtherapeutische und noninvasive Methode, die sich auf die Behandlung der drei großen Systeme bezieht:

- Craniosacrales System (Zentrales Nervensystem/Sinnesorgane)
- Viscerales System (Innere Organe)
- Muskelskelett -System

Das osteopathische Konzept beinhaltet die Auffassung, dass eine erfolgreiche Behandlung immer der Berücksichtigung des ganzen Menschen mit seinen körperlichen, emotionalen und psychischen Bedürfnissen bedarf.

Die vier Grundprinzipien, die Dr. Still entwickelte, sind noch heute in allen Bereichen der Osteopathie gültig:

1. Der Mensch ist eine Einheit.
In der Osteopathie wird nicht die Krankheit oder das Symptom behandelt, sondern der Mensch als Ganzes.

2. Der Körper besitzt Selbstheilungskräfte.
Ziel einer osteopathischen Behandlung ist es, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stimulieren  und zu unterstützen, damit der Körper wieder ein inneres Gleichgewicht findet.

3. Struktur und Funktion sind miteinander verflochten.
Das heißt, wenn die Körperstruktur eingeschränkt oder verschoben ist, wird sich auch die Funktion des Körpers verändern. Wenn z.B. bei einem Säugling durch ein Geburtstrauma der Hinterkopf verschoben ist, wird die Struktur des Eingeweidenervs Vagus beeinträchtigt und damit auch seine Funktion. Die Symptome des Säuglings wären dann häufiges Spucken und Probleme mit dem gesamten Verdauungssystem. Durch eine sanfte osteopathische Manipulation wird der Hinterkopf in die normale Position gebracht, damit normalisiert sich auch die Funktion und die Symptomatik ist verschwunden.

4. Der Osteopath benutzt die ersten 3 Prinzipien für seine Untersuchung und Behandlung.

Anwendungsbereiche und Erfolgsaussichten

Die Cranioasacrale Therapie ist die populärste und am weitesten verbreitete Therapieform der Osteopathie, da sie trotz ihres Schwerpunktes auf dem Nervensystem weitreichende Auswirkungen auf alle anderen Systeme hat. Es gibt Therapeuten, die deswegen ausschließlich mit dieser sanften craniosacralen Therapie arbeiten. Craniosacrale Therapie wird aber auch häufig komplimentär in der Schulmedizin angewendet beispielsweise in der Orthopädie, Kieferorthopädie, Zahnmedizin, inneren Medizin, Sportmedizin und in der Pädiatrie.

Die Viscerale Therapie erfreut sich auch steigender Beliebtheit.

In der visceralen Therapie werden die inneren Organe behandelt und häufig haben Rückenschmerzen ihre Ursache nicht im Muskelskelettsystem, sondern rühren von den inneren Organen her. Durch Lösen von Verklebungen und Stauungen, Stimulation der Durchblutung, Nervenversorgung und ihrer Funktion werden die Rückenscherzen "über den Bauch" behandelt. Beispielsweise können Schmerzen im Becken (eine Ischialgie oder Lumbalgie) von den Organen im Unterbauch ausgelöst werden; durch sanfte Manipulation durch die Bauchdecke wird die Funktion der Organe optimiert und die Ursache der Beschwerden verschwindet und der Patient hat keine Schmerzen mehr.

Sehr gute Erfolge erzielt die Osteopathie auch bei therapierestistenten Patienten mit chronischen Erkrankungen, die vorher viele schulmedizinischen Verfahren erfolglos durchlaufen haben. Beispiele sind:

• Asthma und Allergien
• Sinusitis
• Trigeminusneuralgie
• Arthrose
• Kiefergelenksproblematiken
• Migräne
• Tinnitus
• Rückenschmerzen
• Entwicklungsstörungen bei Babies und Kindern

In einigen Fällen ist eine vollständige Heilung möglich, eine Verbesserung der Symptomatik ist meistens zu erzielen.

Auch einige akute Probleme können osteopathisch behandelt werden wie beispielsweise Hexenschuss, Ischialgie, muskuläre Verspannungen, vegetative Störungen und alle Arten von Gelenksverrenkungen.

Bei Problemen, bei denen der Körper noch im funktionellen Bereich ist, reichen oft eine oder wenige Behandlungen aus, um die Beschwerden zu beseitigen. Gibt es schon strukturelle Veränderungen im Körper, sind regelmäßige Behandlungen über einen längeren Zeitraum nötig, die auf jeden Fall eine Verbesserung der Symptomatik zur Folge haben.

Kontraindikationen

Akute, lebensbedrohende, schwerwiegende Probleme sind kein Fall für die Osteopathie. Dazu gehören z.B. innere Blutungen, Lungenentzündung, Geschlechtskrankheiten, Krebserkrankungen und Tumore etc.

Voraussetzung für jede osteopathische Behandlung ist ein fundiertes medizinisches Wissen des Osteopathen. Er muss wissen, wo seine Grenzen liegen und schwerwiegende Erkrankungen ausschließen können. Es gibt bedingte Kontraindikationen d. h. es darf behandelt werden, wenn eine ausreichende Kenntnis und Vorsicht auf Seiten des Osteopathen vorhanden ist. Solche Risiken sind Bandscheibenvorfälle, Gallen- und Nierensteine, Aneurysmen, Thrombosengefahr und Schwangerschaften. Vorsicht ist auch geboten bei Patienten mit künstlichen Hüftgelenken, Herzschrittmachern und anderen Implantaten.

Behandlungsablauf

Der Osteopath beginnt mit einer ausführlichen Anamnese (Befragung des Patienten) und zieht keine schnellen Schlussfolgerungen, sondern versucht, ein ganzheitliches Bild vom Patienten zu bekommen, ohne nur die Krankheit im Blick zu haben.

Darauf folgt eine eingehende manuelle Untersuchung, die alle Körpersysteme miteinbezieht. Der Osteopath sucht nach strukturellen Veränderungen, die durch die dadurch veränderte Funktion eine Beeinträchtigung des Patienten bewirken.
Er findet die Stellen, wo die Selbstheilungskräfte eingeschränkt sind, um diese dann später zu stimulieren. Stimulation erfolgt durch spezifische manualtherapeutische Manipulation wie z.B. über folgende Systeme: das venöse-lymphatische System, das hormonelle System und das zentrale Nervensystem.

Der Osteopath benutzt bestimmte Ausschlussverfahren , um sicher zu gehen, daß keine schwerwiegende akute Erkrankung vorliegt und anhand aller Informationen kommt er zu einer Diagnose, die den ganzen Menschen miteinbezieht. Er weiß, dass das Schwierigste und Wichtigste die Diagnose ist und dass mit richtiger Diagnose die Behandlung einfach ist. Leider wird die Diagnose häufig in der Schulmedizin zu voreilig gestellt. Auch in der osteopathischen Behandlung ist die Diagnose das Wichtigste, sollte ein Patient nach mehreren Behandlungen keinen oder wenig Erfolg verspüren, muss die Diagnose neu überdacht und gegebenenfalls korrigiert werden.


Tom Esser M.Sc. Gründer und Leiter des OZKs

Dieser Artikel ist erschienen im "Handbuch für ganzheitliche Therapie und Lebenshilfe", März 1999.

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