Tom Esser M.Sc.
Osteopath D.O. M.R.O.
und Heilpraktiker
Britischer Osteopath GOC
Mitglied von VOD/AAO/GOC

Publikationen

Interview mit Jim Jealous zum Thema „Mentoren”

(aus "Osteopathische Medizin" 12. Jahrg., Heft 2/2011, S. 17–24, Elsevier GmbH – Urban & Fischer, www.elsevier.de/ostmed
Das Interview wurde gemacht und übersetzt von Tom Esser M.Sc.)

 

Dr. Jealous, traditionell scheint so zu sein, dass all die Osteopathen früher von Mentoren gelernt haben. In der neueren Zeit scheint es mir, dass Osteopathen in Kursen und aus Büchern lernen. Was ist die Rolle eines osteopathischen Mentors?

Jim Jealous: Nun, etwas ganz Wichtigstes ist uns zu zeigen, wie man liebt. Das habe ich von allen meinen Mentoren mitbekommen. Meiner Meinung nach muss ein Mentor versuchen, die Prinzipien der Osteopathie zu leben. Ich glaube nicht, dass ich ein Osteopath hätte werden können ohne einen Mentor.

Als ich nach Kirksville kam, hatten wir regelmäßigen Unterricht in Anatomie, Physiologie, Biologie und Chemie – das ganze Programm. Das Aufregendste jedoch war, die Praxis von George Laughlin, dem Enkel von Dr. Still, zu besuchen. Das haut Sie um! Sie werden ganz aufgeregt und schauen ihm bei der Arbeit zu. Ich beobachtete, dass sich der Patient veränderte, obwohl ich nicht wusste was George Laughlin machte. Und deshalb tat ich etwas, was jeder macht, wenn er jemanden mit 40 Jahren Erfahrung trifft. Ich fragte: „Was machen sie da?“

Diese Leute schauen dich dann an mit einem Ausdruck von „Wie kann ich ihm das denn jetzt bloß erklären?“ Denn ohne die Basis und ohne den Prozess, der einen durch die verschiedenen Stufen des Bewusstseins führt, können Sie nicht wirklich verstehen, was sie tun.

Ein guter Mentor würde Ihnen dies jedoch so erklären, dass Sie es trotzdem verstehen können. Und zwar auf eine Weise, die Sie nicht klein macht, sondern Sie auf ihrem jetzigen Stand ermutigt, verstehen Sie? Er würde nicht sagen: „Oh, ich arbeite mit diesem oder jenem Mechanismus.“ Er würde sagen: „Nun, wir versuchen, die Lungen zu besserer Arbeit zu bewegen, denn der Patient hat ein Emphysem. Wir versuchen, die Rippen in Bewegung zu bringen und nutzen hierfür die innewohnenden therapeutischen Kräfte.“

Was ein Mentor tut ist Folgendes: Er bringt sie vom Wissen in ihrem Kopf zum Wissen mit ihren Händen. Er ist dazu in der Lage und George Laughlin war der erste von ihnen.

Mit Dr. Core habe ich auch gearbeitet. Er unterrichtete Physiologie und veröffentlichte die physiologischen Grundlagen der osteopathischen Medizin. Dieser Mentor war ein Forscher. Er lehrte mich keine Prinzipien – er war einfach nur da. Und dieser Mann liebte die Osteopathie. Er war eine wahre Quelle an Inspiration. Er saß im Raum mit mir und machte seine Forschungen. Einmal behandelte ich einen Studenten. Nach etwa drei Minuten machte der Patient „Boom!“ und Dr. Core stand da und sagte: „ Was hast Du mit ihm gemacht?!“ Ich erwiderte: „Ich habe soeben seinen Neutralzustand gefunden.“ Er sagte: „Das war schön.“ Und ich sagte: „Danke“. Da sagte er zu mir: „Danke dir.“

Dieses gegenseitige Verstehen ist nicht mit Worten zu beschreiben. Es ging darum, der Osteopathie bis zu ihren Kern zu folgen und keinerlei Kompromisse zu machen. Meistens bringt ein Mentor Sie zurück zu den Prinzipien und diese müssen Sie ohne Kompromisse anwenden. Das war so großartig an ihnen – ob das nun Dr. Core, George Laughlin oder jemand anderes war – sie alle kannten die Prinzipien und konnten Techniken erschaffen. Sie mussten keiner Technik folgen.

 

Aus den Geschichten, die ich über die alten Osteopathen gehört habe, geht hervor, dass viel durch den Mentor geschieht. Ich persönlich hatte mehr davon, wenn ich in Kursen den alten Osteopathen beim Behandeln zugesehen habe oder wenn sie mir ihre persönliche Hilfe gegeben haben, als von allen Kursen oder dem Lesen von Büchern.

Das ist wahr. Nehmen wir einfach Dr. Becker. Rolin konnte unterrichten, wie niemand, den ich sonst je getroffen habe. Er war einfach der geborene Lehrer. Er forderte aber auch mehr als alle anderen Lehrer. Becker interessierte sich für viele östliche Ideen, Philosophien und Techniken und hat wirklich spirituell an sich gearbeitet. Manchmal konnten Sie ihm eine Frage stellen und die Antwort, die er Ihnen gegeben hat, hat Sie die Wände hochgehen lassen.

Ich erinnere mich an eine der ersten, die ich ihm gestellt hatte und die mich wirklich durcheinander gebracht hatte. Ich hatte entdeckt, dass es eine Mittellinie gibt. Ich war im Zentrum des Nucleus pulposis, der Basis-Mittellinie, und ich fühlte den Mittelpunkt genau da drinnen. Da bin ich hin und sagte: „Ich glaube, es gibt eine dreidimensionale Bewegungsspanne.“ Da erwiderte er: „Nun ja, wie viele Richtungen siehst du?“ Ich wusste es nicht. Am nächsten Morgen war ich mit ihm am Üben. Ich sah ihn an und sagte: „360“. Er sagte: „Nein.“ Er hatte einfach nur Nein gesagt und fuhr mit seiner Arbeit fort. Er war wie eine Wand!

Zwei Tage später sagte er: „Auf wie viele Arten kannst du einen Ball kreisen lassen? Geh und finde es heraus.“ Am nächsten Morgen hatte ich noch keine Antwort, da sagte er: „Eine.“ „Eine was?“ „Eine. Auf wie viele Arten kannst du einen Ball kreisen lassen? Auf eine Art – um seinen Mittelpunkt herum.“

Das hat mein Leben verändert! Denn auf einmal hat das eine ganz neue Tür für meine Behandlungen geöffnet! Ich fing an mich während meiner Behandlungen auf das Fulkrum zu konzentrieren, um das sich die Bewegung herum organisiert, um den Nucleus palposis. Ich dachte mir: „Mensch, das ist so anders!“ Die Auswirkungen hier sind groß. Denn es bedeutet, wir müssen irgendwie zum Fulkrum im Mittelpunkt gelangen, um das sich das Ganze herum organisiert, von wo aus es wächst und sich entwickelt, sodass Embryologie und Behandlung zu einer Art verwobenem Verständnis werden. Diese Erkenntnis veränderte sogar die Art, wie ich strukturelle Techniken anwendete. Auf einmal wurde dieses System für mich auf eine ganz andere Art lebendig, die ich nicht in Worte fassen kann.

Und mit wie vielen Worten hatte er das Ganze herumgedreht – mit 12 oder 15?
Oh! Das war das Jahr, in dem ich eine Vorlesung halten sollte.

Da gab ich also meine erste Vorlesung für die Sutherland Cranial Teaching Foundation, nachdem ich viele Jahre lang Mentoren gehabt hatte und auf Herz und Nieren geprüft worden war. Das Thema meiner Vorlesung war die Entwicklung des zentralen Nervensystems. Ich hatte die gesamte Geometrie des Wachstums und der Entwicklung des zentralen Nervensystems und die Bewegung des Zeltes, des Fulkrums und der Lamina terminalis mit dem Ganzen verbunden. Ich versuchte, die Verhältnisse zwischen dem Mittelpunkt und den Bewegungen auf verschiedenen Ebenen im zentralen Nervensystem und der Galaxie darzustellen.

Alle dachten, ich sei durchgedreht! Ich zeigte ein Diagramm mit der Distanz der Sonne zu jedem Planeten und welche Verhältnisse dabei galten. Ich versuchte zu zeigen, wie sich das Schema für diese Bewegung entwickelt hatte und wie dies exakt mit der Bewegung, dem Wachstum und der Entwicklung nicht nur des Embryos, sondern auch des zentralen Nervensystems übereinstimmte. Ich brachte Bilder von Sternen und der Galaxie mit und versuchte verständlich zu machen, dass das Äußere im Inneren enthalten ist. Ich war also ziemlich verrückt, aber ich wusste es nicht besser.

Ich konnte meine Vorlesung nicht beenden, da stürzten die Zuhörer auf mich zu wie Insekten. Mit dabei war die Fakultät, Leute, die extra dafür angereist waren, um zu unterrichten und sie waren außer sich. Dr. Becker rannte auch herbei, baute sich vor der Menge auf und sagte: „Lasst ihn in Ruhe!“ Ich hatte Angst und fühlte mich schrecklich. Aber Becker war zur Stelle und sagte einfach: „Lasst ihn in Ruhe!“ Dann fingen sie an, mit ihm zu streiten. Aber er sagte nur: „Er hat Recht!“

Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Hatte ich wirklich etwas Wahres gesagt? Darauf kam es jedoch in dem Moment nicht an. Er war mein Mentor, verstehen Sie? Ich rannte nur davon.

Ich war besorgt, denn ich musste am nächsten Tag noch einen Praxiskurs über den Corelink geben. Die Leute sollten also einen Corelink machen. Und das hat sie ganz verrückt gemacht! Aber ich wusste es einfach nicht besser, denn das war, was Becker mich gelehrt hatte und was ich verstanden hatte. Und so sagte ich: „Ok, fühlt den Okziput. Wir haben die Einatmung und die Ausatmung der Primären Atmung.“
Wissen Sie, dass davor noch niemand diese Worte benutzt hatte außer Sutherland in der Biodynamik? Sutherland hatte über die Einatmungsphase gesprochen. Ich habe dies aber einfach umgedreht und gesagt: „Dies ist Atmung, es ist nicht Flexion-Extension, es ist Atmung.“ Ich fragte: „Könnt ihr das spüren? Nun tut einfach so, als sei das Sakrum direkt in euren Händen.“

Es war das erste Mal, dass ich die Distanz herausgenommen hatte. Ich hatte es instinktiv getan. Ich sagte einfach: „Fühlt das Sakrum, als ob es in euren Händen läge, denn der Corelink operiert nicht mit Distanz.“
Mann, ich saß da und sprach und da stürzte es auf mich ein! „Was machst du da?!“ riefen einige, „unterrichtest du jetzt Psychologie oder was?! Wo hast du das gelernt?!“ Ich sagte: „Nirgends“. Ich war jedoch schon lange auf einem spirituellen Pfad und hatte viel meditiert – Becker hatte mich dafür geöffnet, auch auf eine Weise, die ich nicht gleich verstanden hatte.

Er steuerte auf mich zu – baute sich neben mir auf und sagte: „Lasst ihn in Ruhe! Er hat Recht. Es gibt keine Distanz!“
Ich zittere am ganzen Leib und hatte nun wirklich genug. Ich habe mich in den entferntesten Winkel zurückgezogen, den ich finden konnte. Ich saß dort wie ein geprügelter Hund. Es musste mindestens eine Dreiviertelstunde vergangen sein, da kam er zur Tür herein. Er sagte: „Du machst deine Sache sehr gut. Das Einzige, was du von jetzt an tun musst, ist Folgendes: Spreche niemals über etwas, was du nicht liebst. Spreche nur noch über Dinge, die du liebst und lass diese kleine Stimme für dich sprechen, dann wird alles gut.“

Von da an – wann immer ich eine Vorlesung hielt – sagte ich mir immer: OK, ich muss den Mut haben, von meinem Herzen aus zu sprechen. Nicht von meiner Wahrheit, denn, wenn Sie genauer hinsehen, dann ist da ein kleiner Abwehrmechanismus dabei. Wissen Sie, wenn Sie aus der Liebe heraus sprechen, die daher kommt, weil Sie Leute behandeln, weil Sie Therapeut sind und weil Sie sich um Ihre Patienten kümmern, wenn dies in den Vordergrund rückt während Sie lehren, dann brauchen Sie sich nicht um Ihr Gedächtnis zu sorgen und darum, was Sie sagen werden. Dann brauchen Sie überhaupt keine Sorgen zu haben.
Wenn ich Becker definieren müsste und das will ich nicht tun, weil er mir weit voraus war – dann ist es so, dass Integrität dazu führt, dass Sie unterscheiden können zwischen dem was Sie lieben und dem, worauf Sie stolz sind. Dann lehren Sie nur das, was zwischen die Stäbe fällt – und das wird beste Qualität haben. Das ist alles.
Becker hatte mir wirklich das Leben gerettet.

 

Er hat Ihnen wirklich zugesetzt, was?

Das ist noch nicht alles. Im nächsten Jahr musste ich ihn behandeln. Ich habe also meine Hände auf ihn gelegt, um ihn zu behandeln und er sagte: „Was zum Teufel tust du da?! Du beginnst niemals eine Behandlung, bevor der Patient seinen Willen nicht dem Willen der primären Atmung untergeordnet hat.“ Ich dachte nur: „Um Gottes Willen, wovon spricht dieser Mann?!“ Ich hatte dies noch nie gehört. Es steht in keinem Buch – die Sache mit der Willenskraft und dem Neutralzustand. Alle drei Prinzipien – bumm, bumm, bumm – einfach so und alle in einem Satz! Er legte sich wieder hin und ich legte meine Hände zurück an seinen Kopf und zitterte nur. Ich sagte: „OK, in Ordnung.“ Er ging in den Neutralzustand. Ich dachte jedoch, dass es ein Stillpunkt ist. Wenn Sie jung sind und denken ein Neutralzustand sei ein Stillpunkt, dann können Sie leicht verwirrt werden, wenn Ihnen da niemand hilft. Das ist ein weiterer Vorteil eines Mentors.
Ich sagte: „Die Behandlung ist jetzt vorbei. Aber er sagte: „Nein – sie beginnt jetzt erst.“ Ich dachte mir: „Nein, das will ich jetzt nicht hören!“ Ich wusste doch, wie ich den Patienten zu einem Stillpunkt bringen kann. Und das sollte jetzt gar kein Stillpunkt sein, sondern ein Neutralzustand? Mir verschlug es die Sprache. Jetzt hatte ich schon so lange behandelt – es müssten etwa 20 Jahre gewesen sein - und nun das.

Es hat 5 Jahre gedauert, bis ich umtrainiert hatte. Während dieser Zeit habe ich ihn etwa 10 Mal getroffen. Er wusste, dass ich durch einen Prozess ging. Ich erinnere mich, wie ich ihm einmal sagte: „Dr. Becker, wenn diese Leute wirklich kraniale Arbeit machen, wie kommt es dann, dass sie nicht vertrauen, dass die Tide ihnen alles zeigen wird? Wie kommt es, dass sie kämpfen? Wenn sie den Atem des Lebens wirklich gespürt haben, wie können sie dann immer weiter argumentieren?“ Er sagte erst nichts darauf, sah bloß nach unten. „Nun ja – warum gibst du ihnen nicht 10 Jahre? Warum die Eile?“

Das war die nächste Lektion: Warte, bis sich die Leute um dich herum verändern. Mir hat das gar nicht gefallen, denn ich war ziemlich entsetzt darüber, dass die Leute gestritten haben und überhaupt nicht versucht haben, einander zu helfen. Aber letztlich stellte sich heraus, dass er Recht hatte.

Dies ist eine gute Übersicht, was einen guten Mentor ausmacht. Er sieht, wo ich hin will, aber er nimmt mich nicht dahin mit, bis ich es nicht selbst tun kann. Wenn der Preis zu hoch dafür ist, dann wird er ihn nicht von mir verlangen. Er hätte die Sache mit dem Neutralzustand schon 5 Jahre vorher erzählen können – und hätte mich damit völlig verängstigt.

Ich hatte nie das Gefühl, dass mich meine Mentoren gedrängt haben. Sie haben mich in gewisser Weise da hingeführt, wo ich hoffentlich selbst hingelangen sollte.
Ich weiß nicht, ob ich dabei wenig mitgenommen habe oder ob es viel war. Aber ich konnte der Osteopathie trauen. Ich konnte den Prinzipien trauen und mit ihnen gehen. Wenn ich keinen Mentor gehabt hätte, dann weiß ich nicht, was passiert wäre.

 

Denken Sie, dass jeder Osteopath einen Mentor finden sollte?

Das ist ihnen selbst überlassen. Ich selbst würde es nicht ohne versuchen wollen. Ich glaube, dass es eine einsame Welt ist ohne einen Mentor, nicht wahr?

Mir fiel auf, dass bei zwei, drei Leuten, zu denen ich auf meiner Suche nach einem Mentor gegangen war, deren Fachkenntnis genau da aufhörte, wo der Patient seinen Willen unterordnen sollte. Diese Leute haben zwar gute Behandlungserfolge erzielt, dabei aber geschwitzt, gearbeitet, Energie herum geschoben und alle möglichen Dinge gemacht. Und Becker, George Laughlin, Ruby und Annie? Sie konnte Ihren Fuß halten und Ihr Zerebellum hat sich bewegt! Sie haben etwas völlig anderes gemacht.

Eines der Dinge, zu dem ein Mentor wirklich verpflichtet ist – zumindest ist das mein Stil – ist, die Psyche seines Studenten nicht zu sehr aufzuheizen was andere Leute angeht. Er sollte sich also nicht zu sehr über andere Leute auslassen, was man leider oft in Kursen beobachten kann: „Oh, dieser Typ arbeitet strukturell, er arbeitet nicht mit der Potency.“ Wie wenn die Arbeit mit der Potency besser wäre! Die Arbeit mit der Potency ist kein bisschen besser, wenn Sie lediglich ins System eingreifen und den Patienten unter Strom setzen, nicht? Und so kommen Ideen zustande wie „strukturell ist nicht so gut wie funktional und das ist wiederum nicht so gut wie das Arbeiten mit der Tide“. Und die Studenten tragen dies dann weiter.

Ich war nie ohne Mentor. Die ganze Geschichte der Biodynamik, wie wir sie jetzt haben, hat sich wirklich von den Mentoren her entwickelt. Sie hatten die Großzügigkeit, die Freundlichkeit und die Liebe, uns zu unterstützen und zu sagen: „Nur zu, unterrichte die Lamina terminalis, sie ist wichtig. Unterrichte dies oder das ist interessant, versuche es und schau, wo es hinführt.“ Das muss man sich in Erinnerung rufen, wenn man die ganze Reise mit diesen Menschen betrachtet.

Ich versuche nachzudenken, wer da noch so ist.
Oh ja – ich hatte einen Mentor, der kein Osteopath war!


Ich war damals etwa 35 und ein großes Tier. Ich fühlte Stillpunkte, war dabei meilenweit entfernt und korrigierte die Tide – cool. Außerdem dachte ich, dass Osteopathen die einzigen Leute sind, die alles wissen. Ich fand mich großartig. Und dies kann Ihnen jederzeit passieren, wenn Sie nicht aufpassen.

Ich bin zum Fluss gefahren, um mich beim Fischen ein wenig zu entspannen. An diesem Tag war diese spezielle Fliegenart auf dem Fluss und die Fische waren geradezu verrückt nach ihr. Sie war bräunlich und ich fing viele Fische mit diesem Köder. Auf einmal ging der Köder verloren. Da bin ich also in die nächste Stadt gefahren, bin in den Laden und sagte: „Ich brauche noch mehr von diesen Fliegen.“ Aber sie sagten mir; „Wir haben keine - sie sind ausverkauft.“ „Wer stellt sie denn her?“ „Oh, dieser alte Mann unten an der Straße.“ Ich ging also hin und klopfte an. „Könnten sie mir vielleicht ein paar dieser Fliegen verkaufen?“ Er holt etwa 10 davon und ich sagte: „Ich brauche bloß ein paar davon.“ „Nein, ist schon in Ordnung – du kannst sie alle haben. Brauchst du Leinen?“ Ich sagte: „Nein danke – ich habe Leinen.“ „Aber nicht die, die ich mache!“ Ich sagte: „Gut, ein paar Leinen wären schön.“ Er sagte: Und hast du Lösungsmittel für die Fliegen, damit sie fliegen?“ „Ja, ich habe welches.“ Er sagte: „Zeig´s mir.“ Ich zeigte es ihm und er meinte: „Nein, du brauchst dieses. Dies wird dir ungefähr für ein Jahr lang reichen. Es ist meine eigene Spezialität.“ Und er gab mir eine Flasche davon.

Ich wurde etwas unruhig und sagte zu ihm: „Ich würde sehr gerne wieder fischen gehen“ und zückte meinen Geldbeutel. „Du brauchst nichts zu bezahlen!“ „Warum denn nicht?“ „Bete einfach für meine Eltern – denn sie haben mich so erzogen.“ Ich war ganz perplex und ging. Ich will Sie nicht mit meinen Fischergeschichten langweilen, aber er war wirklich wichtig für mich. Denn durch ihn habe ich eingesehen, dass Osteopathen nichts Spezielles sind. Und das ist wichtig – ich glaube, für jeden von uns.

Später habe ich ihn wieder besucht und sagte: „Los komm, wir gehen fischen!“ Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd Wir sind also zusammen runter zum Fluss. Er stand flussaufwärts und ich flussabwärts. Auf einmal kam eine bedrohliche, schwarze Wolke daher. Er sagte: „Komm´ wir gehen zurück ins Haus und trinken eine Tasse Tee.“ Er hatte einen Wohnwagen, wie Annie Wales. Wir saßen also in seinem Wohnwagen und ein Tornado begann zu wüten. Der Wohnwagen fing an zu schaukeln. Elektrizitätsleitungen wurden heruntergerissen, es gab an der ganzen Straße keinen Strom mehr und die Sirenen heulten. Es war ein heftiger Sturm. Und er saß am Tisch mit seiner Tasse Tee und sagte nur: „Schau dir diese ganze Aktivität an: Feuerwehrautos kommen, Leitungen fallen herunter – ein großer Sturm – aber wir bewegen uns nicht.“ Auf einmal war da ein Stillpunkt – es war größer als alles, was ich bei Behandlungen gespürt hatte. Er saß seelenruhig da und sagte zu mir: „Siehst du – wir werden beschützt.“ An diesem Tag wurde er mein Lehrer.

Wenn mich Leute fragen: „Wo finde ich einen Mentor?“, dann sage ich ihnen: „Das ist nicht die Frage. Wenn du die Osteopathie erlernen willst, dann bleibe dabei, bis du einen Platz findest, an dem du bekommst was du brauchst. Es geht nicht um eine Person, verstehen Sie?

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich viel Glück. Ich machte sehr viel Osteopathie und tue es heute noch. Und ich wollte es unbedingt wissen, wie es wirklich ist, so gut wie diese Leute zu sein. Wie sich das mit den Händen anfühlt – all das. Und wissen Sie was? Was diese Leute taten, fühlte sich für mich so an, wie wenn ich in der Wildnis war - in tiefer Kommunikation mit dem Leben. So hat es sich wirklich für mich angefühlt. Deshalb war ich darin zuhause. Ich bin vermutlich mehr in der Primären Atmung zuhause als ich es im sozialen Leben bin. Aber so bin ich nun einmal veranlagt, da komme ich her.

Danke, Dr. Jealous.

Ich danke Ihnen.

 

 

 

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