Tom Esser M.Sc.
Osteopath D.O. M.R.O.
und Heilpraktiker
Britischer Osteopath GOC
Mitglied von VOD/AAO/GOC

Publikationen

Osteopathische Gedanken zur Druckveränderung im Auge

Artikel für die Zeitschrift "Lebenskraft"

 

In der Osteopathie gehen wir davon aus, dass Struktur und Funktion sich gegenseitig beeinflussen. Ist die Funktion im Körper verändert, wie z. B. bei erhöhtem Augeninnendruck, muss die Struktur verändert sein. Dort, wo sich Sclera, Cornea, Iris und das Ligamentum Pectinatum treffen, befindet sich die vordere Augenkammer. Die Integrität dieses Winkels ist für die gute Zirkulation des Kammerwassers im vorderen Anteil des Auges wichtig. Auch die intracranielle membranöse Wand des Sinus Cavernosus und des Sinus Petrosus, der gesamte venöse Abfluss aus dem Kopf können mit diesem etiologischen Faktor zusammenhängen.

Es macht Sinn, dass wenn man die gleichen Prinzipien wie bei anderen Organen auch für die Physiologie, die Zirkulation und die Entleerung des Auge anwendet, man damit auch einen Effekt auf den Augeninnendruck erzielt. In den 1950er Jahren entdeckte der amerikanische Osteopath Paul J. Misischea im Rahmen seiner Studien, dass sich direkt nach einer osteopathischen Behandlung der Augeninnendruck um 2 bis 4 mmHg verstärkte und sich nach 60 Minuten um 3 bis 5 mmHg verminderte.

Eine andere Gruppe von Osteopathen, V. T. Cipolla, D.O., C. M. Dubrow, D.O. und E. A. Schuller, Jr., D.O., untersuchten 1975 Behandlungs- und Kontrollgruppen mit normalen intravaskulären Druck des Auges, die nach der osteopathischen Behandlung einen verminderten Augeninnendruck aufwiesen. Eine andere Double-Blind-Studie von 1982 mit Messungen des intraokulären Drucks von normalen Patienten und Patienten mit chronischem oder Offenwinkel-Glaukom von Richard A. Feely, D.O., Thomas A. Castillo, D.O., und Jack V. Greiner, D.O., PhD stellte einen verstärkten Augeninnendruck von 3 bis 7 mmHg 5 Minuten nach der Behandlung und ca. 60 Minuten danach unterschiedliche Druckveränderungen speziell bei den Patienten mit Glaukom fest. Dr. T. J. Ruddy, D.O., ein osteopathischer Augenarzt, entwickelte spezielle Muskel-Energie-Techniken für die Augen. Er benutzte das normale Prinzip der Muskel-Energie-Technik, indem er den Patienten mit Fingergegendruck auf dessen Auge in eine spezielle Richtung blicken ließ.

Diese Art osteopathischer Manipulation kombiniert mit craniellen Techniken verbesserte die Strukturfunktionsbeziehungen der extraokulären Muskelinervation und halfen somit auch Patienten mit somatischen Disfunktionen, bei denen extraokuläre Muskeln eine Rolle spielten. Eine spezielle Technik für Patienten mit mildem chronischem Glaukom besteht daraus, dass der Osteopath einen oder mehrere Finger auf das geschlossene Auge legt und mit der anderen Hand eine leichte Perkussion über dem Auge gibt.

In der vorher erwähnten Studie veränderte sich die intraokuläre Spannung 3 bis 5 mmHg ca. 60 Minuten nach der osteopathischen Behandlung.
In der obig genannten Double-Blind-Studie veränderte sich der Augeninnendruck 6 bis 60 Minuten nach der osteopathischen Behandlung bei Patienten mit Glaukom. Bei einem akuten Engwinkel-Glaukom sollte der Patient sofort medizinisch behandelt werden, da sich sonst innerhalb von drei bis fünf Tagen Blindheit einstellen kann. Eine andere Technik für Kongestion beschreibt Dr. Martin D. Young, indem er das geschlossene Auge von lateral nach medial melkt, um die Flüssigkeiten in ihre normale Laufbahn zu bringen. Für die Augenmuskeln nimmt er bei geschlossenen Lidern den Augapfel und dreht ihn nach oben, unten, außen und zur Mitte. Dadurch werden die Flüssigkeiten in Bewegung gebracht, die Muskelansätze gestreckt und damit auch wieder die Zirkulation und Drainage gefördert.

Ein zweites Behandlungsprinzip besteht aus der "Balanced Tension Technique". Man nimmt das Auge bei geschlossenen Lidern, untersucht, in welche Lage es sich am besten bringen lässt, d. h. nach superior, inferior, lateral oder medial, und findet einen "Point of Balance". Das Auge wird solange in dieser Position gehalten, bis sich seine Spannung verändert. Dieses Prinzip wurde später von Dr. Harold Hoover als "Functional Technique" beschrieben.

Eine ganzheitliche Behandlung des Auges sollte Ribraising-Techniken für T1 bis T4, speziell das Augenzentrum, Cilio Spinales T1 bis T2, das cervicothorakale Diaphragma, die Fascia Cervicales, das Oxiput-Atlas-Gelenk, das Tentorium, das gesamte Sinussystem, die Mobilität der Schädelbasis und der sieben Knochen, die die Augenhöhle ausmachen, die Mobilität des intracranialen Membransystems sowie die genannten Techniken für die extraokuläre Muskulatur und für die Drainage des Auges beinhalten. Man sollte die Behandlung mit einem CV-4 beenden, der einen Gesamteffekt auf den Flüssigkeitsfluss im Körper hat. Speziell bei einem Nah-Engwinkel-Glaukom ist es wichtig, den erhöhten Sympathicus-Tonus zu reduzieren.

Dies kann man mittels einer Inhibitionstechnik für das sympathische System, bzw. Stimulation des Parasympathicus tun. Dies wird bereits auch durch einen CV-4 erreicht.

Tom Esser M.Sc. Gründer und Leiter des OZKs


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