Tom Esser M.Sc.
Osteopath D.O. M.R.O.
und Heilpraktiker
Britischer Osteopath GOC
Mitglied von VOD/AAO/GOC

Publikationen

Osteopathische Therapie bei Glaukom

erschienen in "DO" Deutsche Zeitschrift für Osteopathie, April 2005

 

In der Osteopathie gehen wir davon aus, dass Struktur und Funktion sich gegenseitig beeinflussen. Ist die Funktion im Körper verändert, muss auch die Struktur verändert sein.

Es ist anzunehmen, dass diese Prinzipien auch für die Physiologie, die Zirkulation und die Entleerung des Auges anwendbar sind, so dass der Augeninnendruck osteopathisch behandelt werden kann.

Glaukom (grüner Star) ist die Bezeichnung für eine Anzahl von äthiologisch verschiedenen Krankheiten, deren gemeinsames Kennzeichen die schädliche Steigerung des Augeninnendruckes ist (normaler Augeninnendruck 15-16 mmHg). Hierdurch wird der N. opticus geschädigt, was bis zur Erblindung des Auges führen kann. Etwa 10 % der Bundesbürger über 40 Jahre haben einen erhöhten Augeninnendruck, was bedeutet, dass sie ein erhöhtes Glaukomrisiko haben. Man redet von einem Primären Glaukom, wenn er nicht die Folge einer anderen Augenerkrankung ist, liegt eine Vorerkrankung (z. B. traumatisch, Entzündung) vor, redet man von einem Sekundär-Glaukom.

Das Primäre Glaukom wird unterteilt in Primärchronisches Offenwinkelglaukom (über 90% aller Glaukome), das Primärchronische Engwinkelglaukom (2-4%), das kindliche Glaukom (1 %) und das akute Engwinkelglaukom (cave! Erblindungsgefahr). Von einem absoluten Glaukom spricht man nach einer Erblindung, die durch eine Glaukomerkrankung ausgelöst wurde.

Anatomie und Physiologie

Dort, wo sich Sklera, Cornea, Iris und das Ligamentum pectinatum treffen, befindet sich die vordere Augenkammer. Die Integrität dieses Winkels ist für die gute Zirkulation des Kammerwassers im vorderen Teil des Auges wichtig. Auch die intrakranielle membranöse Wand des Sinus cavernosus und des Sinus petrosus, der gesamte venöse Abfluss aus dem Kopf, können hier für Störungen verantwortlich sein. Bei einem akuten Engwinkel-Glaukom sollte der Patient sofort medizinisch behandelt werden, da sich sonst innerhalb von drei bis fünf Tagen Blindheit einstellen kann.

Osteopathische Forschung

In den 1950er Jahren entdeckte der amerikanische Osteopath Paul J. Misischea im Rahmen seiner Studien, dass sich direkt nach einer osteopathischen Behandlung der Augeninnendruck um 2 bis 4 mmHg verstärkte und sich nach 60 Minuten um 3 bis 5 mmHg verminderte. Eine andere Gruppe von Osteopathen, V. T. Cipolla, D.0., C. M. Dubrow, D.0., und E. A. Schuller, Jr., D.0., untersuchten 1975 Behandlungs- und Kontrollgruppen mit normalem intravaskulären Druck des Auges, die nach der osteopathischen Behandlung einen verminderten Augeninnendruck aufwiesen. Eine andere Doppel-Blind-Studie von 1982 mit Messungen des intraokulären Drucks von normalen Patienten und Patienten mit chronischem oder Offenwinkel-Glaukom von Richard A. Feely, D.0., Thomas A. Castillo, D.0., und Jack V. Greiner, D.0., PhD stellte einen verstärkten Augeninnendruck von 3 bis 7mm Hg fünf Minuten nach der Behandlung und ca. 60 Minuten danach unterschiedliche Druckveränderungen speziell bei den Patienten mit Glaukom fest. Dr. T. J. Ruddy, D.0., ein osteopathischer Augenarzt, entwickelte spezielle Muskel-Energie-Techniken für die Augen. Er benutzte ein bekanntes Prinzip, indem er den Patienten mit Fingergegendruck auf dessen Auge in eine bestimmte Richtung blicken ließ.

Behandlungstechniken

Diese Art osteopathischer Manipulation, kombiniert mit kraniellen Techniken,
verbesserte die Struktur/Funktionsbeziehungen der extraokulären Muskelinnervation und half somit auch Patienten mit somatischen Dysfunktionen, bei denen extraokuläre Muskeln eine Rolle spielten. In dieser Doppelblindstudie veränderte sich 6 bis 60 Minuten nach der osteopathischen Therapie der Augeninnendruck bei Glaukom. Eine spezielle Technik für Patienten mit mildem chronischen Glaukom besteht darin, dass der Osteopath einen oder mehrere Finger auf das geschlossene Auge legt und mit der anderen Hand eine leichte Perkussion auf den liegenden Finger ausübt. In dieser Studie veränderte sich die intraokuläre Spannung um 3 bis 5 mmHg, ca. 60 Minuten nach der osteopathischen Behandlung. Eine andere Technik für Kongestion beschreibt Dr. Martin D. Young, indem er das geschlossene Auge von lateral nach medial "melkt", um die Flüssigkeiten in ihre normale Laufbahn zu bringen. Für die Augenmuskeln nimmt er bei geschlossenen Lidern den Augapfel und dreht ihn nach oben, unten, außen und zur Mitte. Dadurch werden die Flüssigkeiten in Bewegung gebracht, die Muskelansätze gestreckt und damit auch wieder die Zirkulation und Drainage gefördert.

Ein zweites Behandlungsprinzip besteht aus der "Balanced Tension Technique".
Man nimmt das Auge bei geschlossenen Lidern, untersucht, in welche Lage es sich am besten bringen lässt, d. h. nach superior, inferior, lateral, medial oder Innen-/ Außenrotation und findet so einen "Point of Balance". Das Auge wird solange in dieser Position gehalten, bis sich seine Spannung verändert. Dieses Prinzip wurde später von Dr. Harold Hoover als "Functional Technique" beschrieben. Eine ganzheitliche Behandlung des Auges sollte Ribraising-Techniken für T1 bis T4, speziell auf das Augenzentrum (Centrum ciliospinalis T1 bis T2), sowie das zervikothorakale Diaphragma, die Fascia cervicalis, das Occiput-Atlas-Gelenk, das Tentorium cerebelli, das gesamte Sinussystem, die Mobilität der Schädelbasis und der sieben Knochen, die die Augenhöhle umfassen, die Mobilität des intrakranialen Membransystems sowie die genannten Techniken für die extraokuläre Muskulatur und für die Drainage des Auges beinhalten.

Man sollte die Behandlung mit einem CV-4 beenden, der einen Stimulationseffekt auf den Flüssigkeitsfluss im gesamten Körper hat. Speziell bei einem Nah-Engwinkel-Glaukom ist es wichtig, den erhöhten Sympathicus-Tonus zu reduzieren. Dies kann man mittels einer Inhibitionstechnik für das sympathische System bzw. Stimulation des Parasympathicus tun. Dies wird beispielsweise durch einen CV-4 erreicht.

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