Tom Esser M.Sc.
Osteopath D.O. M.R.O.
und Heilpraktiker
Britischer Osteopath GOC
Mitglied von VOD/AAO/GOC

Publikationen

Pro- und Contra - Brauchen wir eine sphenobasilare Symphyse?

Pro- und Contra ist Publikation 04 der Zeitschrift "DO"

 

Pointierten Spaltentext

Dass die SSB positionell verdreht sein kann, haben auch röntgenologische Bilder von Dr. Greenman belegt. Allerdings ist für die Osteopathie genau wie bei der Wirbelsäule die Mobilität wichtiger als die Position. Da die SSB bis zum 25. Lebensjahr verknöchert, sollte man mehr von Spannungsverhältnissen (Elastizität/Resiliance) als von großen Bewegung reden. Außer des Os sphenoidale und des Os occipitale gehören auch alle Knochen unterhalb des Tentoriums mit zur Schädelbasis, wie das Os ethmodiale, pars orbitale des Os frontale, pars petrosa und pars masdoidea des Os temporale.
Die Schädelbasis verknöchert condral ( knorpelig), das Schädeldach verknöchert desmal (membranös). Für die Zirkulation im Schädel und das optimale Funktionieren des Neuroendokrinensystems muss der gesamte Schädel eine optimale Spannung und einen eigenen Rhythmus haben. Um dies zu testen und zu behandeln wird die SSB benutzt.

Haupttext

"Der Mensch ist so alt wie seine Wirbelsäule", diesen alten Spruch formte Dr. Sutherland um in " Der Mensch ist so alt, wie sein Schädel (SSB)". Genauso wie für Vitalität eine mobile Wirbelsäule wichtig ist, gilt dies auch für den Schädel, nur das hier die Bewegungen feinstofflicher sind. Weniger Bewegung im Schädel kann einen negativen Effekt auf dessen Inhalt, aber auch auf den ganzen Körper haben (Myofasciale Verbin-dungen).

Für Dr. Sutherland war besonders in seiner frühen (‚knöchernden') Phase, die SSB (engl. SBS) der Schlüssel für das Verständnis des gesamten Schädels. Das heißt die Stellung des Os sphenoidale in Bezug auf das Os occipitale gibt Aufschluss für die Strukturierung des gesamten Schädels.

Die Bezeichnungen der verschiedenen Schädelbasis-Dysfunktionen werden heute noch benutzt. Es gibt eine biomechanische Hierarchie der Knochen. Die Knochen die mit dem Os sphenoidale direkt artikulieren wie das Os frontale und der gesamte Geichtschädel (außer dem Unterkiefer) bewegen sich zusammen mit dem Os sphenoidale.

Die Knochen, die zusammen mit dem Os occipitale direkt artikulieren, wie die beiden Os parietale, die beiden Os temporale, Mandibula, Os hyoideum und das Os sacrale bewegen sich zusammen mit dem Os occipitale.
Zum Beispiel weiß man dann, dass bei einem inferior "vertical strain" der Gesichtschädel sich in Innenrotation befindet (Os sphenoidale in Extension) und die Tuba auditiva sich in Außenrotation befinden (Os occipitale in Flexion). Wenn es keine überlagernde Dysfunktionen gibt, kann man aus der Position der SSB nicht nur die gesamte Schädelposition bestimmen, sondern auch die Physiologie bzw. mögliche Symptome. Bei dem vorher genannten Beispiel hat der Patient eher ein Problem mit dem Gesichtschädel ( z.B. Sinusitis) als mit den Ohren. Dieses mechanische Modell ist hilfreich, hat aber auch seine Grenzen. Sutherland wechselte später zu einer funktionellen Sichtweise, mit dem Schwerpunkt auf den Membranen (RTM) und Fascien. In seinen letzten Lebensjahren fand er zu einer biodynamischen Sichtweise, mit dem Schwerpunkt auf der Flüssigkeitsebene. Diese beinhaltete auch energetische Aspekte, wie "Potency" und "Breath of Life".

Man kann die topographische "location" der SSB diagnostisch und therapeutisch nutzen, für die biomechanische-, die funktionelle, als auch die biodynamische Sichtweise. Hier spiegelt sich der ganze Körper auf allen Ebenen.

Fazit

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen, Fazit aber ist, dass die SSB klinisch eine zentrale und wichtige Stelle im ganzen Körper ist. Wahrscheinlich kann jeder Osteopath, der schon mal durch einen etwas zu kräftigen Griff oder Unkonzentriertheit eines Kollegen, negative Reaktionen bekommen hat, dies bestätigen. Auf der anderen Seite kann jeder, der schon mal "gut" an der SSB behandelt worden ist von positiven Erlebnissen im Kopf oder irgendwo im Körper berichten.

 

 

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